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EHEDG-Zertifizierung: 10 Hygienic-Design-Prinzipien mit Praxisbeispiel (2026)

· VLD Service
EHEDGHygienic DesignAnlagenbauLebensmittelindustrie

Hygienegerechte Gestaltung — im Fachjargon “Hygienic Design” — ist kein Marketingbegriff, sondern eine ingenieurtechnische Disziplin. In der Lebensmittelindustrie entscheidet die Konstruktion einer Anlage darüber, ob sie effizient gereinigt werden kann oder ob trotz täglicher Reinigung Keime in toten Ecken überleben. Die European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) hat dafür Leitlinien entwickelt, die international als Massstab gelten.

Was ist EHEDG?

Die EHEDG ist eine Stiftung mit Sitz in Frankfurt, die seit 1989 Leitlinien für die hygienegerechte Gestaltung von Anlagen und Komponenten in der Lebensmittelindustrie entwickelt. Die Organisation vereint Maschinenbauer, Lebensmittelproduzenten, Universitäten und Behörden.

Die EHEDG-Leitlinien sind keine Gesetze, werden aber zunehmend in Ausschreibungen und Audits als Referenz herangezogen. In der Schweiz sind sie besonders relevant bei:

  • Zulieferern der grossen Schweizer Detailhandelsketten — die Qualitätsabteilungen prüfen zunehmend die Anlagenhygiene
  • IFS- und BRC-zertifizierten Betrieben — beide Standards fordern nachweisbar hygienegerechte Ausrüstung
  • Fleischverarbeitungsbetrieben unter kantonaler Lebensmittelkontrolle

Die 10 Grundprinzipien des Hygienic Design

1. Alle Oberflächen müssen reinigbar sein

Jede Oberfläche, die mit dem Produkt oder der Umgebung in Kontakt kommt, muss zugänglich und effektiv reinigbar sein. Keine versteckten Winkel, keine unzugänglichen Bereiche.

2. Glatte Oberflächen (Ra ≤ 0.8 µm)

Rauhe Oberflächen bieten Mikroorganismen Halt. Für produktberührende Flächen wird eine Oberflächenrauheit von Ra ≤ 0.8 µm empfohlen. Für nicht-produktberührende Flächen in Reinigungszonen: Ra ≤ 1.6 µm.

3. Keine Toträume

Toträume (Dead Legs) sind Bereiche, in die bei der Reinigung kein Reinigungsmittel oder keine Spülflüssigkeit gelangt. Sie sind die häufigste Ursache für persistente Kontamination. Typische Toträume: Sackbohrungen, Messstutzen ohne Durchfluss, T-Stücke mit Blindstopfen.

4. Selbstentleerend

Alle produktberührenden Bereiche müssen sich rückstandsfrei entleeren lassen. Das bedeutet: Mindestgefälle von 1–3° an allen horizontalen Flächen, keine Mulden oder Senken, in denen sich Flüssigkeiten sammeln.

5. Keine Hohlräume

Geschlossene Hohlprofile (z.B. Vierkantrohre) sammeln im Inneren Kondenswasser und bilden Keimherde. Lösung: Offene Profile verwenden oder Hohlprofile dauerhaft verschliessen (verschweisst, nicht verschraubt).

6. Dichtungen minimieren

Jede Dichtung ist eine potenzielle Schwachstelle. Dichtungen altern, werden porös und bilden Spalte, in denen sich Keime ansiedeln. Wo Dichtungen nötig sind: FDA-/EU-konforme Elastomere (EPDM, VMQ, FKM) verwenden und regelmässig wechseln.

7. Befestigungen hygienegerecht

  • Keine Schrauben mit Schlitz (Schmutznester im Schlitz)
  • Schweissverbindungen statt Schraubverbindungen, wo möglich
  • Wo Schrauben nötig: Innensechskant, bündig abschliessend, Edelstahl A4
  • Keine selbstschneidenden Schrauben (Späne in der Bohrung)

8. Materialverträglichkeit

Alle Materialien müssen beständig sein gegen die verwendeten Reinigungsmittel UND gegen das verarbeitete Lebensmittel. Typischer Fehler: Die Anlage ist chemisch beständig, aber der O-Ring im Ventil quillt durch das Reinigungsmittel auf.

9. Trennung von Produkt- und Technikbereich

Antriebe, Kabel, Druckluftleitungen und Steuerungen sollen physisch vom Produktbereich getrennt sein. Wenn Antriebe in den Nassbereich ragen müssen: Edelstahlausführung, hygienegerecht, IP69K.

10. Rückverfolgbarkeit und Dokumentation

Alle verwendeten Materialien müssen dokumentiert sein. Werkstoffzeugnisse für Edelstahl, EU-Konformitätserklärungen für Kunststoffe, FDA-Zertifikate für Dichtungen.

Praxisbeispiel: Nachrüstung einer bestehenden Förderanlage

Ein typisches Projekt bei VLD Service: Ein Schweizer Fleischverarbeiter hatte Probleme mit wiederkehrenden Keimfunden an einer Förderanlage — trotz täglicher Reinigung. Unsere Analyse ergab:

Problem 1: Rahmen aus geschlossenen Vierkant-Hohlprofilen. In den Profilen stand Wasser. Lösung: Rahmen durch offene C-Profile in Edelstahl 316L ersetzt.

Problem 2: Bandführungen mit Gewinde-Einstellschrauben. In den Gewinden setzten sich Biofilme fest. Lösung: Schraubverbindungen durch geschweisste Edelstahl-Konsolen mit Exzenter-Einstellung ersetzt.

Problem 3: Kabeleinführungen mit Standard-PG-Verschraubungen. Undicht nach 6 Monaten. Lösung: Hygienic-Design-Kabeldurchführungen mit Edelstahl-Überwurfmutter und FDA-konformer Dichtung.

Ergebnis: Keimfunde auf Null reduziert. Reinigungszeit um 20% verkürzt, da weniger manuelle Nacharbeit nötig.

Kosten und Nutzen

Hygienegerechter Anlagenbau kostet mehr als Standardkonstruktion — typischerweise 15–30% Aufpreis für Edelstahl-Ausführung, offene Profile und hochwertige Befestigungen. Dem stehen gegenüber:

  • Geringere Reinigungskosten: Weniger Arbeitszeit, weniger Reinigungsmittel, weniger Wasser
  • Weniger Reklamationen: Keine Keimfunde = keine Produktrückrufe
  • Höhere Anlagenverfügbarkeit: Weniger Korrosionsschäden, weniger Dichtungswechsel
  • Audit-Sicherheit: IFS/BRC-Audits ohne Beanstandungen bestehen

Unsere Leistungen

VLD Service begleitet Schweizer Lebensmittelbetriebe beim hygienegerechten Anlagenbau:

  • Analyse: Bestehende Anlagen nach Hygienic-Design-Prinzipien überprüfen
  • Nachrüstung: Kritische Stellen identifizieren und umbauen
  • Montage: Komplette Anlagen nach Hygienic-Design-Prinzipien installieren
  • Schulung: Ihre Techniker im Umgang mit hygienegerechter Technik schulen

Brauchen Sie eine Hygienic-Design-Analyse Ihrer Anlage? Kontakt: +41 32 552 28 88 oder info@vldservice.ch.

Unser Angebot für Industriebetriebe — Mechanik, Elektrik und Automatisierung aus einer Hand.


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