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Edelstahlschweissen in der Lebensmittelindustrie: WIG, Normen und Hygieneanforderungen

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MechanikSchweissenEdelstahlLebensmittelindustrie

Edelstahl — in der Schweizer Industrie auch Inox genannt — ist der Werkstoff der Lebensmittelindustrie. Von Förderbändern über Gestelle bis zu Behältern: überall, wo Lebensmittel verarbeitet werden, dominiert Chromnickelstahl. Die Verbindungstechnik zwischen diesen Komponenten entscheidet über Hygiene, Haltbarkeit und letztlich die Lebensmittelsicherheit. Genau hier wird es anspruchsvoll: TIG-Schweissen (auf Deutsch WIG, Wolfram-Inertgas) auf Inox in Schweizer Lebensmittelumgebungen verlangt Fachwissen, das weit über das normale Handwerk hinausgeht.

Hinweis zur Terminologie: TIG, WIG, Inox, Edelstahl

In der Schweizer Industrie werden vier Begriffe oft synonym verwendet:

  • TIG (Tungsten Inert Gas, englische Bezeichnung) = WIG (Wolfram-Inertgas, deutsche Bezeichnung). Identisches Verfahren.
  • Inox (in der Schweiz und im französischsprachigen Raum gebräuchlich) = Edelstahl (im deutschen Raum). Identischer Werkstoff: nichtrostender Chromnickelstahl.

In diesem Artikel werden beide Schreibweisen verwendet, da Schweizer Betriebe je nach Region und Hersteller-Dokumentation mit beiden Begriffspaaren arbeiten.

Warum TIG-/WIG-Schweissen der Standard ist

In der Lebensmittelproduktion hat sich das TIG-Schweissen (auch WIG genannt) als Referenzverfahren durchgesetzt — aus guten Gründen:

Saubere Nahtoberfläche: WIG erzeugt glatte, porenfreie Schweissnähte mit minimaler Spritzbildung. Das ist entscheidend, denn jede Pore und jeder Spritzer ist ein potenzieller Keim-Herd.

Präzise Wärmeeinbringung: Die exakte Steuerung der Wärme verhindert übermässige Anlauffarben und reduziert den Verzug — besonders wichtig bei dünnwandigen Edelstahlrohren und -blechen.

Schutzgasabdeckung: Argon als Schutzgas verhindert Oxidation während des Schweissvorgangs. Bei korrekter Anwendung entsteht eine gleichmässige, chromreiche Passivschicht auf der Naht.

Formiergas: Für hochwertige Verbindungen im Lebensmittelbereich wird die Nahtwurzel zusätzlich mit Formiergas (Argon oder Argon/Wasserstoff-Gemisch) geschützt. Ohne Wurzelschutz bilden sich innen Anlauffarben und Oxidschichten, die die Korrosionsbeständigkeit drastisch reduzieren.

Die richtigen Werkstoffe

Nicht jeder Edelstahl ist für die Lebensmittelindustrie geeignet:

AISI 304 (1.4301)

Der Standardwerkstoff für die meisten Anwendungen in der Lebensmittelproduktion. Gute Korrosionsbeständigkeit gegen die meisten organischen Säuren und neutrale Reinigungsmittel. Wirtschaftlich und leicht zu verarbeiten.

Einsatz: Gestelle, Förderbandrahmen, Abdeckungen, Behälter für nicht-aggressive Medien.

AISI 316L (1.4404)

Die bessere Wahl bei Kontakt mit chlorhaltigen Reinigungsmitteln, Salzlösungen oder sauren Medien. Das “L” steht für Low Carbon (max. 0.03% C) — reduziert die Gefahr der interkristallinen Korrosion nach dem Schweissen.

Einsatz: Nassverarbeitungsbereiche, Fleischverarbeitung, Molkereitechnik, CIP-Leitungssysteme.

Duplexstähle (z.B. 1.4462)

Für besonders aggressive Umgebungen oder wenn hohe mechanische Festigkeit gefordert ist. In der Schweizer Lebensmittelindustrie eher selten, aber in der Getränkeindustrie verbreitet.

Oberflächengüte: Die Naht muss reinigbar sein

Die Schweissnaht muss dieselbe Oberflächengüte aufweisen wie die umgebende Fläche. In der Lebensmittelindustrie gelten folgende Richtwerte:

  • Ra ≤ 0.8 µm: Standard für produktberührende Oberflächen (EHEDG-Empfehlung)
  • Ra ≤ 1.6 µm: Akzeptabel für nicht-produktberührende Oberflächen in Reinigungsbereichen
  • Ra ≤ 3.2 µm: Nur für Bereiche ohne Lebensmittelkontakt und ohne regelmässige Nassreinigung

In der Praxis bedeutet das: Nach dem Schweissen muss die Naht nachbearbeitet werden. Je nach Anforderung kommen zum Einsatz:

  1. Bürsten: Entfernt Anlauffarben, erzeugt Ra ca. 1.0–1.6 µm
  2. Schleifen: Mehrere Körnungsstufen (80 → 120 → 240) für Ra ≤ 0.8 µm
  3. Beizen und Passivieren: Chemische Nachbehandlung, die die Chromoxidschicht wiederherstellt und die Korrosionsbeständigkeit maximiert
  4. Elektropolieren: Für höchste Anforderungen (Pharma, Babyfood) — erzeugt Ra ≤ 0.4 µm

Typische Fehler beim Edelstahlschweissen

1. Anlauffarben nicht entfernt

Die bunt schillernden Anlauffarben neben der Schweissnaht sehen harmlos aus, sind aber ein Problem: Sie zeigen eine zerstörte Passivschicht an. Unter diesen Verfärbungen beginnt Lochfrasskorrosion — besonders bei Kontakt mit chlorhaltigen Reinigern.

Lösung: Anlauffarben durch Beizen oder mechanisches Abtragen entfernen. Beizpaste auf der Naht auftragen, einwirken lassen, abspülen und neutralisieren.

2. Eisenkontamination

Werkzeuge, die zuvor auf Baustahl verwendet wurden (Schleifscheiben, Bürsten, Auflagetische) übertragen Eisenpartikel auf den Edelstahl. Diese Partikel rosten und verursachen Flugrost.

Lösung: Dediziertes Werkzeug für Edelstahl verwenden. Keine Trennscheiben oder Bürsten aus Karbonstahl. Auflageflächen mit PE-Folie schützen.

3. Falsches Schutzgas

Zu wenig Argon-Durchfluss, undichte Schläuche oder fehlender Wurzelschutz — alles führt zu Oxidation und mangelhafter Nahtqualität.

Lösung: Schutzgasdurchfluss 8–12 l/min, Formiergasdurchfluss je nach Rohr-Querschnitt. Gas-Linse in der WIG-Brennerkappe für laminare Strömung.

4. Zu hohe Wärmeeinbringung

Edelstahl hat eine schlechte Wärmeleitfähigkeit. Zu viel Wärme führt zu Verzug, Grobkornbildung und Sensibilisierung (Ausscheidung von Chromkarbiden an den Korngrenzen).

Lösung: Streckenenergie begrenzen, Zwischenlagentemperatur ≤ 150°C einhalten, bei dünnwandigen Teilen mit Heftpunkten und kurzen Nähten arbeiten.

Was wir bei VLD Service anders machen

Unsere Schweisser haben jahrelange Erfahrung im Edelstahlschweissen in der Lebensmittelindustrie — direkt auf der Baustelle, nicht in der Werkstatt:

  • Zertifizierte Verfahren: Schweissqualifikation nach EN ISO 9606-1
  • Vor-Ort-Arbeit: Wir schweissen dort, wo die Anlage steht — unter den realen Bedingungen der Produktion
  • Komplettservice: Vom Zuschnitt über das Schweissen bis zur Oberflächenbehandlung aus einer Hand
  • Dokumentation: Schweissprotokoll mit Parametern, Werkstoffzeugnis und Fotodokumentation

Fazit

Edelstahlschweissen in der Lebensmittelindustrie ist mehr als Metall verbinden — es ist Hygienetechnik. Die richtige Werkstoffwahl, saubere WIG-Nähte, korrekte Oberflächenbehandlung und die Vermeidung von Kontamination entscheiden darüber, ob eine Schweissverbindung über Jahre zuverlässig funktioniert oder zum Hygiene-Risiko wird.

Sie brauchen professionelle Edelstahlschweissarbeiten in Ihrem Betrieb? +41 32 552 28 88 oder info@vldservice.ch.

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